Das instabile Sprunggelenk

Egal ob im Leistungssport, im Breitensport oder im Alltag, das sogenannte Supinationstrauma des oberen Sprunggelenkes – das Umknicken über den Fußaußenrand – ist die häufigste Sportverletzung überhaupt. Nahezu jeder ist bereits einmal „umgeknöchelt“, die meisten unter uns bereits mehrmals.
Zum Glück ist die Verletzungsbandbreite groß und in den meisten Fällen handelt es sich um einfache Bandzerrungen mit guter Heilungsprognose. In einfachen Fällen reicht eine stabilisierende Bandage und eine abschwellende und Schmerzhemmende Therapie und die volle Funktion und Schmerzfreiheit ist nach ca 3-4 Wochen wiederhergestellt.
Ist das Trauma größer, wie häufig bei Stop-and-Go Sportarten wie vor allem Fußball oder Handball, aber auch bei anderen Ballsportarten oder Sportarten mit häufigen Richtungswechsel, können ernste Verletzungen am oberen Sprunggelenk entstehen die ohne adäquate Behandlung oft Folgeschäden hinterlassen.
Das obere Sprunggelenk ist auf der Außenseite durch 3 Bänder mit oberflächlichen und tiefen Anteilen gesichert, die die Gelenkkapsel verstärken. Auf der Innenseite spannt sich ein breiter Bandkomplex vom Innenknöchel zum Sprungbein und Fersenbein.
Je nach Verletzungsausmaß reißen unterschiedliche Bandanteile vor allem auf der Außenseite und können unbehandelt zu einer Instabilität des oberen Sprunggelenkes führen. Des Weiteren kann es durch das Anschlagen des Sprungbeins am Schienbein oder am Wadenbein zu Knorpel- und Knochenschäden (sogenannte osteochondrale Läsionen) kommen.
In den meisten Fällen ist auch hier eine funktionelle Therapie mit einer stabilisierenden Sprunggelenksorthese für 6 Wochen, gefolgt von einer Physiotherapeutischen Behandlung ausreichend um eine gute Stabilität und Funktion zu erreichen. In manchen Fällen, vor allem bei massiver Instabilität oder Begleitschäden ist eine operative Behandlung angezeigt um Folgeschäden zu verringern und die Sportfähigkeit wiederherzustellen.
Wird jedoch eine höhergradige Bandverletzung als einfache „Sprunggelenkszerrung“ verkannt und nicht adäquat Behandelt, verbleibt in bis zu 40 Prozent der Fälle eine relevante Instabilität im oberen Sprunggelenk, die mit der Zeit zu erheblichen Beeinträchtigungen führen kann und eine therapeutische Herausforderung darstellen kann.
Neben chronischen Belastungsschmerzen sowie einer Neigung zum wiederholten „umknöcheln“ aufgrund der Bandinsuffizienz, führt die chronische Instabilität auch zur Ausbildung von knöchernen Anbauten an der vorderen Schienbeinkante und am vorderen Anteil des Sprungbeines, die bei starker Ausprägung zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung im oberen Sprunggelenk führen können. Anderseits führt die Instabilität auch zu einem vermehrten Knorpelverschleiß und begünstigt damit die Entstehung arthrotischer Veränderungen.
Therapeutisch ist in solchen Fällen ein angepasstes operatives Vorgehen erforderlich um einerseits die Beweglichkeit zu verbessern und eine Schmerzlinderung zu erzielen und andererseits durch eine Bandrekonstruktion die Instabilität zu beseitigen. In den meisten Fällen ist aber bei ausreichender Erfahrung ein minimalinvasives arthroskopisches Vorgehen möglich und große Zugänge können vermieden werden. Im Anschluss ist eine gezielte Physiotherapeutische Behandlung zwingend erforderlich um ein gutes funktionelles Ergebnis zu erreichen und damit auch eine Rückkehr zum Sport zu ermöglichen.
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dr. med. philippe reuter